Rückblick

 

4. Ladungssicherungssymposium Schweiz
vom Freitag, 17. Mai 2019

Bei herrlichem Frühlingswetter durften wir auch dieses Jahr wieder über 120 Teilnehmende zum 4. Ladungssicherungssymposium Schweiz in Arbon begrüssen. In 8 Fachvorträgen und einer begleitenden Ausstellung konnten sich die Anwesenden über Aktuelles und Neues zum Thema Ladungssicherung informieren. Auch blieb genügend Zeit um neue Kontakte zu knüpfen und spannende Diskussionen zu führen. Verwöhnt wurden die Besucher während des ganzen Tages durch das Team des Catering "mehrlust" aus Diepoldsau.

Ein herzliches Dankeschön an alle Referenten, Aussteller und Sponsoren, welche durch Ihr Engagement zum erfolgreichen Gelingen beigetragen haben. 

 Dankes

Braucht es überhaupt Normen und Richtlinien? Reicht die Schweizerische Gesetzgebung und gesundes Augenmass nicht aus? Diese Fragen wurden zusammen mit interessanten Referaten geklärt.

Im Schweizerischen Strassenverkehrsgesetz SVG steht im Artikel 30 Absatz 2:«Die Ladung ist so anzubringen, dass sie niemanden gefährdet oder belästigt und nicht herunterfallen kann.»

Dieser Satz sagt zwar viel aus, wie ich die Ladung zu sichern habe, weiss ich hier aber nicht. Das Gefahrgutrecht ADR, welches in unserer Gesetzgebung verankert ist, geht da schon einen Schritt weiter. Unter dem Punkt 7.5.7.1 steht: «Die Vorschriften dieses Unterabschnitts gelten als erfüllt, wenn die Ladung gemäss der Norm EN 12195-1:2010 gesichert ist.»

Das Bundesamt für Strassen ASTRA hat sich schon 2013 dafür ausgesprochen, dass die Norm nicht nur für Gefahrgüter, sondern auch für alle anderen Güter als Berechnungsgrundlage dienen soll. In der EN 12195-1:2010 ist zudem unter Punkt 2 «Normative Verweisungen» zu lesen, dass für die Anwendung der Norm folgende Dokumente erforderlich sind:
- EN 12195-2:2000: Zurrgurte aus Chemiefasern
- EN 12195-3:2001: Zurrketten
- EN 12195-4:2003: Zurrdrahtseile
- EN 12642:2006:    Aufbauten an Nutzfahrzeugen

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Ausserdem ist in der VTS (Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeugen) unter anderem die EN 12640 verankert. In ihr sind Festigkeit und Anzahl der Zurrpunkte festgelegt.

Sie sehen, Normen bestimmen längst die Ladungssicherung in der Schweiz und natürlich auch Europa. Und das ist auch gut so.

Zum Thema Normen denken Sie nur an die Steckdosen. Kaum auszudenken, wenn jeder Elektriker seine eigenen ungenormten Dosen montieren würde. Leider ist hier aber die Norm nicht europaweit einheitlich. Jene die reisen, kennen die Probleme in anderen Ländern. Normen bestimmen folglich auch unseren Alltag und könnten ihn einfacher machen.

Doch weshalb gibt es Richtlinien in der Ladungssicherung? Und die andere Frage, die sich stellt, muss ich mich daran halten? Weshalb es Richtlinien gibt, ist ganz einfach zu beantworten: Sie füllen die Lücken, welche die Normen offen lassen. So steht in keiner Norm, wie z.B. hart gewickelte Papierrollen richtig zu sichern sind. Dies steht im Blatt 9 der VDI 2700 (Verein Deutscher Ingenieure. Die VDI-Richtlinien werden übrigens in regelmässigen Abständen auf ihre Richtigkeit überprüft. Dieses Prozedere läuft momentan beim vorhin erwähnten Blatt 9 ab. Dazu werden Fahrversuche gemacht, um das Verhalten der Ladung in Notsituationen zu überprüfen und um die Anweisungen für die korrekte Sicherung richtig anzugeben. Wir Anwender können dann von den Ergebnissen nur profitieren. Wenn das jeder selbst herausfinden müsste … Gerne wird aber auch darauf verwiesen, dass die VDI-Richtlinien vom Verein Deutscher Ingenieure gemacht wurden. Es seien also Deutsche Richtlinien. Dem gilt es zu entgegnen: Gibt es einen Verein Schweizer Ingenieure, welcher sich mit Ladungssicherung beschäftigt, Fahrversuche unternimmt und die Ergebnisse dann auf Papier bringt? Leider nein! Wir können froh sein, dürfen wir vom Knowhow, welcher in den VDI-Richtlinien enthalten ist profitieren. Und bekanntlich ist die Physik in Deutschland dieselbe wie bei uns.

Um auf die andere Frage zurückzukommen, ob wir uns an Richtlinien halten müssen, denken Sie an das Heben von Lasten. Sie werden vielleicht wissen, dass man zum richtigen Heben einen geraden Rücken machen sollte. Doch müssen Sie sich daran halten? Falls Sie sich nicht daran halten, wird es Ihnen irgendwann der Rücken mit Schmerzen zu verstehen geben, dass es falsch war.
Das Gleiche gilt für die Richtlinien in der Ladungssicherung. Wenn Sie sich nicht daran halten, wird es Ihnen irgendwann die Physik zeigen. Es können aber auch Schmerzen daraus entstehen. Finanzieller Natur, durch Bussen oder durch Verletzte oder sogar getötete Personen.

Sie sehen, weder Normen noch Richtlinien sind etwas Schlechtes, sondern sie machen die Ladungssicherung für den Anwender einfacher, weil darin beschrieben ist, wie die die ladung richtig zu sichern ist.

Und wie wird Ladungssicherung gemacht? Ganz einfach: Man nehme....  Gesetzte, Vorschriften, Normen, Richtlinien und Verladeempfehlungen.... und mische kräftig durch. Was dann herauskommt ist die korrekte Ladungssicherung. Falls sich diese per Zufall mit dem gesunden Augenmass des Anwenders deckt, ist nichts dagegen einzuwenden. Leider ist die Ladungssicherung nicht immer so einfach und entwickelt sich auch ständig weiter. Das Ladungssicherungssymposium Schweiz ist eine Plattform, wo Sie sich über das Neuste informieren und unter Fachexperten austauschen können.

Wir würden uns sehr freuen, Sie auch in zwei Jahren wieder begrüssen zu dürfen. Reservieren Sie sich heute schon den Termin. Das 5.Ladungssicherungssymposium Schweiz wird am Freitag, 30. April 2021 stattfinden.

Herzliche Grüsse
Jacqueline & Richard Knaus